Als die Wohnung verloren geht, gerät Andreas Leben ins Trudeln

Andrea* wächst in Wr. Neustadt auf. Nach der Handelsschule arbeitet sie kurz bei einem Notar. „Ich wollte nur bei Rechtsanwälten arbeiten, das Rechtsgebiet ist so vielfältig.“ 1995 übersiedelt sie nach Bad Vöslau und findet einen Job bei einem Rechtsanwalt in Baden. Dort bleibt sie 15 Jahre lang. Irgendwann beginnt sie zu trinken. Ende Mai 2010 muss sie der Anwalt kündigen. Im April 2011 stirbt auch noch ihre Mutter an Krebs. Zwar findet Andrea neue Arbeitsstellen, bleibt aber jedes Mal nur kurz. Die Probleme beginnen, als sie keine Arbeitslose, sondern nur noch die Notstandshilfe bekommt – zu wenig für eine eigene Wohnung.
Ab April 2013 wird es eng. Andrea kann die Miete nicht mehr begleichen, die Notstandshilfe ist zu wenig. Ihr Vermieter droht mit Rauswurf. Wegen „psychischer Probleme“ kommt sie in die Psychiatrie. „Die Situation war so belastend für mich. Ohne Wohnung hat man nichts mehr, fühlt sich minderwertig und verloren. Ich war kopflos und leer.“ Würde sie je wieder aus der Psychiatrie herauskommen und ein normales Leben führen können? „Ich sah keine Zukunft, hab in den Tag hinein gelebt und hatte keinen Ansporn, etwas zu tun.“ Im Spital gibt ihr eine Sozialarbeiterin die Adresse des Emmaus-Frauenwohnheims in St. Pölten; parallel dazu setzt ihr der Vermieter eine Frist bis August. Am 9. August 2013 zieht Andrea ein.
Warum sie sonst nirgendwo unterkommen konnte? „Nach dem Tod meiner Mutter hörte der Kontakt zu meinem Vater auf. Ein Bruder hatte eine Familie und nur eine kleine Wohnung. Der andere wollte mich nicht haben.“ Auch Freundinnen gab es damals keine. „Ich hab immer allein und für mich gelebt.“ Deswegen also Emmaus.

„Heute schau ich sehr darauf, dass ich nie wieder eine Wohnung verliere.“

Im Spital muss Andrea mit dem Trinken aufhören. Allerdings: „Ich trank immer nur so viel, um den Tag leichter herumzubringen, musste also keinen Entzug machen.“
Emmaus ist für Andrea eine wichtige Stütze. Mit 3.000 Euro Bankschulden ist Sparen 3 Jahre lang fast unmöglich. Von der Notstandshilfe muss sie auch noch ein Startkapital für die Zeit nach Emmaus anlegen. „Das ging, weil ich sehr sparsam bin.“
Dann eines Tages die freudige Nachricht ihrer Betreuerin: „Wir können jetzt wieder von einer eigenen Wohnung sprechen.“ Im August 2017 findet Andrea „ihre“ Wohnung – unbefristet. Inzwischen hat sie über 8.000 Euro gespart. Auch am Konto ist wieder ein Plus. So kann sie die Wohnung finanzieren.
„Ich bin sehr glücklich“, schwärmt Andrea von ihrem neuen Heim, „und ich schau sehr darauf, dass ich nie wieder eine Wohnung verliere.“
Übrigens: Seit Jänner 2018 arbeitet sie auch wieder – bei einem Rechtsanwalt!

*Name geändert

Symbolfoto: Monkey Business Images/shutterstock.com