Die Geschichte von Franz

Franz* ist erst fünf, als ihn sein Vater eines Tages zur Seite nimmt und sagt: „Franz, ich bin nicht dein Vater.“ Für den Kleinen bricht eine Welt zusammen …
Seinen richtigen Vater kennt Franz bis heute nicht.

Das Leben geht weiter, die Familie wohnt im ländlichen NÖ. „Es war schön, wir hatten Haus, Garten und Nutztiere und machten oft Ausflüge.“ Doch dann beginnt der Stiefvater zu trinken. Franz ist zehn, als die Mutter eines Nachts – der Stiefvater hat gerade Nachtschicht – das Nötigste einpackt, ihn und seine Halbschwester nimmt und fährt. Die drei kommen in Wien unter.
In Wien verschlechtert sich das Verhältnis zu seiner Mutter. „Sie wollte mich einspannen und ließ mich nicht lernen. Sie hatte Schulden, weil sie ständig bei Versandhäusern bestellte.“ Wenn Franz um etwas bittet, heißt es: „Interessiert mich nicht, schau selbst, wo du das Geld herbekommst!“ Die Schwester hingegen bekommt alles.
Auch eine Lehre verbietet ihm die Mutter. „Du gehst arbeiten, das Geld gibst du mir, damit ich meine Schulden abzahlen kann.“ Franz ist 16 und Hilfsarbeiter. Er zieht zu einem Verwandten. Doch dieser will „mehr“ von ihm, sodass Franz zu anderen Verwandten „flieht“. Dort wohnt er zusammen mit den Kindern in einem Zimmer.
Eines Tages bemerkt er, dass eine Tochter der Familie seine Bankomatkarte entwendet und ihn bestiehlt. Darauf angesprochen leugnet sie alles. Auch die Eltern schützen die Tochter. Einige Jahre später erfährt Franz, dass die Eltern Schulden und die Tochter zu der Tat angestiftet hatten.
Mit Anfang 20 zieht Franz nach Graz. Dort arbeitet er in einem Pflegeheim. Auch ein Mädchen lernt er kennen, mit ihr bleibt er drei Jahre zusammen. In dieser Zeit häufen sich Schulden durch Handyverträge und Katalogbestellungen.

„In Zukunft will ich wieder ein geregeltes Leben führen, mit einer Wohnung, zwei Katzen und vielleicht einer Freundin.“

Dann beschuldigt ihn die Pflegedienstleitung, einen Bewohner im Nachtdienst bestohlen zu haben. Franz kündigt. Zwei Monate später ein reumütiger Anruf: „Willst du nicht wieder bei uns beginnen“ – eine Kollegin war die Diebin. „Aber ich wollte nicht mehr.“
Franz findet wieder Arbeit. Eines Tages kommt er drauf, dass ihn seine inzwischen Verlobte betrügt. Franz ist fertig, er verbarrikadiert sich in seiner Wohnung und kündigt. Doch Freunde bauen ihn wieder auf und holen ihn so aus dem Loch.

Nach unsteten Jahren kommt Franz im Juni 2017 zu Emmaus. Er macht eine Ausbildung, die Koch-Lehrabschlussprüfung ist Anfang April. Einen 25-Stunden-Job hat er bereits in Aussicht. Danach will er seine Schulden angehen.
„In Zukunft will ich wieder ein geregeltes Leben führen, mit einer Wohnung, zwei Katzen und vielleicht einer Freundin.“ Mit Emmaus bleibt Franz in Kontakt, „weil sie mir geholfen haben, mich zu entwickeln und mich unterstützt haben“.

*Name geändert