Nach zwei Monaten im Koma erwacht Martin im letzten Moment …

Martin wächst im Pielachtal auf und hat eine schöne Kindheit. Zu seiner Mutter hat er eine gute Beziehung. Doch als er sechs Jahre alt wird, nimmt die Mutter ihren kleinen Buben zur Seite: „Martin, ich bin nicht deine leibliche Mutter. Ich habe dich im Alter von einem Monat aus dem Krankenhaus geholt.“ Obwohl sie „nur“ seine Pflegemutter ist, bekommt Martin alles von ihr, was eine Mutter einem Kind geben kann. Doch dann wird sie schwer krank und stirbt mit 50 Jahren an Diabetes. „Den Tod meiner Mutter verkraftete ich nicht wirklich. Ich hatte sie sehr gern und flüchtete nach ihrem Tod in den Alkohol.“ Zu seiner leiblichen Mutter hat Martin keine tiefere Beziehung, den leiblichen Vater kennt er nicht. Unter der Woche trinkt er nichts, doch seit seinem 18. Lebensjahr bechert er am Wochenende viel bei Festen, fast jedes Wochenende stürzt er ab. Immer wieder verliert Martin seinen Job und arbeitet im Pfusch als Maler. Was nun folgt, ist die Hölle.

Das Leben – ein Rausch

„Drei Mal wurde ich – mit bis zu 3,9 Promille – ins Spital eingeliefert.“ Einmal wankt er von einem Fest nach Hause und bricht zusammen. Ein zufällig vorbeikommendes Notarzt-Team findet ihn. Das ist seine Rettung. Zwei Monate liegt Martin im Koma auf der Intensivstation – und hat dort eine Nahtod-Erfahrung, die damit endet, dass „ich mich einem Licht näherte und weit entferntes Harfenspiel hörte. Es war das Tor zum Himmel … Dann schrie ich: Ich gehe dort nicht hin! Ich will jetzt noch nicht sterben!“ Genau in diesem Moment öffnet Martin die Augen. Und die Schwester sagt zum Arzt: „Herr Doktor, nicht abdrehen, er ist wieder da!“ Der Arzt ist total perplex. Später erzählt er Martin: „Ich wollte gerade alle Geräte abschalten.“
Trotz dieses Wunders ist das Leben von Martin noch immer voller Probleme. Zwar gründet er eine Familie und arbeitet regelmäßig, doch das Alkoholproblem bleibt. So wird die Ehe geschieden und das gemeinsam Kind zur Adoption freigegeben. Irgendwann landet Martin in der Emmaus-Notschlafstelle „Auffangnetz“, anschließend im Haus Kalvarienberg. „Nach einer durchzechten Nacht fühlte ich mich elendiglich und sterbenskrank.“ Die Wohnheim-Mitarbeiter Franz und Walter motivieren ihn, ganz auf Alkohol zu verzichten.
Martin ist nun seit elf Jahren trocken. Seit 2011 arbeitet er nun bei Rewe im Getränkelager, hat wieder eine eigene Wohnung und mit Kathrin eine neue Lebensgefährtin. „Mein Leben hat noch einmal begonnen, weil ich bei Emmaus endlich die richtigen Freunde gefunden habe.“ Noch heute geht er gerne mit Kathrin ins Emmaus-Saftbeisl oder kommt in die Dienstags-Runde. „Trotz vieler Rückschläge in meinem Leben bin ich wieder ein glücklicher Mensch.“

Martin heute

Foto: Emmaus