Auf der Emmaus CityFarm blüht Martin auf

An seinen 1. Tag in der Tagesstätte der Emmaus CityFarm erinnert sich Martin noch genau. „Ein chronisch hantiger Tagesstättengast stand da und hat geraucht. Ich hab mich vorgestellt: >Hallo, ich bin der Martin!< Darauf der andere: >Is ma wurscht!< Da hab ich mir gedacht: Da bin ich richtig! – Das war mein Einstand.“

Vor Emmaus war Martin viermal im psychiatrischen Krankenhaus Mauer. Diagnose: Paranoide Schizophrenie. „Ich hab Halluzinationen und höre Sachen, die nicht da sind.“ Außerdem sei seine Gefühlswelt „abgeflacht“. „Zum Beispiel könnte mich ein Autounfall neben mir weder erschrecken noch in Panik versetzen.“ – Für seine Freunde würde er „alles“ tun. „Mein Psychiater sagt, dass das ein Ausdruck für ein geringes Selbstwertgefühl ist.“

Zu Hause ist es schwierig, der Vater ist Alkoholiker und die Mutter nimmt Psychopharmaka. Mit 15 hat Martin genug und beginnt eine Tischlerlehre. Doch die ist mühsam. „Alle waren streng zu mir – und perfektionistisch.“ Martin erleidet ein Burnout. Trotzdem macht er die Lehre fertig – ohne Lehrabschluss. „Damals war alles Oasch – in der Tischlerei und auch sonst im Leben.“

Mit 20 kommt Martin das erste Mal nach Mauer. Er zerstört Dinge und hat Lokalverbote. „Kriminelle Energie“ steht in seiner Diagnose – mit anderen Worten: seine erste Psychose. Danach arbeitet Martin 10 Jahre lang beim Möbelhaus Leiner. Aufgrund von Umstrukturierungen wird der 30-jährige gekündigt. „Ich stand vor dem Nichts.“ Die nächste Psychose kommt bald. Zweimal geht es noch nach Mauer – wegen Überlastung, Depression und Manie.

„Echte Freunde – hier hab‘ ich sie endlich“

Seine Krankheit ist chronisch und er muss jeden Tag Medikamente nehmen. Trotzdem nimmt Martin einige Jobs an, aber es passt überhaupt nicht – „Nur Stress!“

Dann empfiehlt ihm eine Sozialarbeiterin 2016 die Emmaus CityFarm. Die Atmosphäre sagt Martin zu: „Alle hier sind nett zu mir. Es gibt keinen Stress. Immer wieder gibt es neue Arbeiten. Ich mag die Abwechslung!“

Seit Martin hier ist, geht es ihm besser. „Ich wurde emotional stabiler und habe nicht mehr so starke Gefühlsschwankungen.“ Und er hat „echte Freunde“. „Durch sie habe ich einen sicheren Halt, weil ich mich auf sie verlassen kann. Auch ich selbst bin freundlicher, offener und umgänglicher geworden.“ Freude macht ihm auch das Arbeiten in und mit der Natur. „Der Natur ist es wurscht, ob es richtig lackiert oder geschliffen ist. Die Natur lässt mich einfach machen, kritisiert und maßregelt mich nicht. Und Martin verteilt ein dickes Lob: „Ich kann mit den Mitarbeitern normal reden und werde nicht bevormundet. Die CityFarm ist eine super Einrichtung!“

Foto: Kogler