Josef K. ist gebürtiger Markersdorfer und gelernter Maler. Einer, der wie er selbst sagt, „nicht immer der Bravste war“.

Mit zwanzig baut er unter Alkoholeinfluss einen schweren Motorradunfall. Schwere Schädelverletzungen und monatelanges Koma folgen. Er erinnert sich an seine Mutter, die bei ihm im Krankenhaus schlief. Seither trinkt er keinen Alkohol. Sechs Operationen und 18 Monate später kämpft er sich ins Leben zurück. Aufgrund der massiven Verletzungen leidet er an Schwindel, kann nicht als Maler arbeiten, findet jedoch Beschäftigung als Hilfskoch in Salzburg. Danach zieht es ihn mit seiner damaligen Frau in die Berge – genauer in das schöne Zillertal.

Er führt einen eigenen Betrieb, sein Sohn wird dort geboren. Die Ehe geht in die Brüche, es folgen turbulente Jahre. Wie das Leben so spielt, findet Josef viele Jahre später seine neue Liebe in Pöchlarn und zieht zurück nach Niederösterreich. Hier findet er schnell Anschluss. Speziell seine außergewöhnliche künstlerische Begabung fällt seiner Umgebung sofort auf. Josef macht Öl- und Aquarellmalerei und Schnitzarbeiten. Seine Arbeiten werden am Gemeindeamt St. Leonhard am Forst ausgestellt. Auch beruflich läuft es gut. Er ist angestellt, verantwortlich für Instandhaltungsarbeiten im Therapiezentrum Ybbs.

Doch 2016 spürt der 58-Jährige plötzlich ein Kribbeln in Armen und Beinen, bis hin zum Wegknicken. Die Diagnose – Polyneuropathie, Erkrankung der peripheren Nerven. Es folgen lange Krankenstände und Reha. Der Arbeitergeber muss sich von ihm trennen. Josef gibt nicht auf. Er sucht sich Hilfe, bewirbt sich, er möchte arbeiten, doch immer wieder dieselbe Antwort: „Mit Ihrer Vorgeschichte ist eine Anstellung nicht möglich“. Die Vermittlung ist schwierig. Eines Tages empfiehlt seine AMS Betreuerin eine Vorstellung bei Emmaus. Rückwirkend gesehen sieht Josef dies als Glücksfall und erinnert sich: „Obwohl ich mir beim ersten Gespräch nicht sicher war, ob es etwas für mich ist, weiß ich heute, dass es das Beste war, nach meiner Frau, das mir passiert ist. Ich habe ein herzliches Verhältnis zu meinen Kollegen, gehe jeden Tag gerne zur Arbeit“. Reinhard Bugl, Leiter der Sanierung (SÖB) ergänzt: „Josef war von Anfang an fachlich gut. Doch beeindruckt hat mich besonders sein Gespür für die Leute. Er nimmt jeden so wie er ist.“

„Hilf dir selbst,dann wird dir geholfen. “

Josefs Rat an alle, die in einer schwierigen Situation stecken: „Wenn du nicht bereit bist, können 20 Leute um dich herum stehen, es wird nichts ändern. Trau dich – nimm Hilfe an. Probier’s einfach. Würde ich mich selbst heute mit zwanzig treffen, wäre ich nicht mein eigener Freund. Heute kann ich stolz auf mich sein, mag mich sogar.“

Diese Geschichte und viele andere interessante Themen finden Sie auch in unserem Rundbrief.