Die unglaubliche Geschichte von Manfred

Manfred (*1954) wächst auf einem Bergbauernhof im Pielachtal auf. Neben seiner Arbeit ist der Vater in mehreren Vereinen tätig. Schon früh begleitet ihn Manfred ins Wirtshaus.

Der Bub ist in der Familie und in der Pfarrgemeinde bestens integriert. Manfred ist hilfsbereit und daher beliebt, er ist lebenslustig, begabt und strebsam. In den Gasthäusern ist er als Stimmungskanone bekannt. Auch beruflich ist Manfred ambitioniert und zuverlässig, bei den ÖBB wird er Zugbegleiter.

Doch dann kriselt es mit der Mutter. Der Grund ist seine Freundin Theresia. Die Mutter lehnt die 19-jährige ab. So schmieden er und seine Freundin heimlich Heiratspläne. Doch da erkrankt Theresia unheilbar und stirbt mit 24 Jahren. Manfred gerät in eine schwere Lebenskrise. Der alkoholkranke Vater fällt als Stütze aus. Manfreds Elternhaus – der so geliebte Bergbauernhof – muss verkauft werden. Manfred ist allein und heimatlos. Er hadert mit Gott und der Welt. Alkohol wird sein Narkotikum für unerträgliche Stunden. Kontrollverlust und schwere gesundheitliche Probleme sind die Folgen. Manfred verliert seinen Job bei der Bahn und seine Wohnung. Es folgen Isolation und der Verlust wichtiger Sozialkontakte. Körperlich und seelisch ist er am Ende.

„Einige Male bin ich im Winter auf einem Parkbankerl eingeschlafen. Als ich aufwachte, hatte ich einige Zentimeter Neuschnee auf meinem Mantel.“

Sechs Jahre obdachlos

Manfred landet in der „Sandler“-Szene. Zechkumpane werden zu seinen Schicksalsgenossen, sie eint der Kampf ums Überleben. Die „Szene“ wird zu Manfreds Ersatzfamilie. Als charmanter „Schnorrer“ finanziert er seinen Alkoholkonsum. Insgesamt sechs Jahre lang schläft Manfred im Sommer wie im Winter im Freien – unter anderem in Bahnhofstoiletten und Abbruchhäusern. Das exzessive Trinken hilft gegen die beißende Kälte, indem es das Kälteempfinden weitgehend ausschaltet. Schwere Erfrierungen an Manfreds Beinen sind die Folge. „Einige Male bin ich im Winter auf einem Parkbankerl eingeschlafen. Als ich aufwachte, hatte ich einige Zentimeter Neuschnee auf meinem Mantel.“ – Manfred muss auch oft wegen kleinerer Vergehen ins Gefängnis und wird so zu einem Aussätzigen unserer Tage: obdachlos, alkoholabhängig und vorbestraft. In dieser Zeit hört Manfred von Emmaus St. Pölten. 1985 – nach sechs Jahren Obdachlosigkeit – bittet er um Aufnahme.
Die Wohnheim-MitarbeiterInnen und Betriebsleiter sind für Manfred wichtige Bezugspersonen. Manfred blüht auf. Er fühlt sich als Mensch angenommen und wird nicht mehr als „Sandler“ verspottet. Er ist fleißig und hilfsbereit. Doch die Sucht holt ihn ein und schließlich kehrt Manfred wieder in die Obdachlosenszene zurück.

Rettende Engel

1989 versucht es Manfred wieder und zieht Anfang Dezember als erster Gast in die neu eröffnete Emmaus-Notschlafstelle Kalvarienberg ein. Dort zeigt er Arztbriefe seiner Operationen und Befunde seiner Erkrankungen: Epilepsie, Herzinsuffizienz, Harninkontinenz, starke Gehbehinderung, Polyneuritis, wahnhaft-paranoide Ideen – ein Wunder, dass Manfred noch lebt! Doch er hat schwere gesundheitliche Schäden. 1991 ringt sich Manfred schließlich zu einer Therapie durch und schafft die Wende!

Heute ist Manfred seit 28 Jahren trocken. „Es grenzt an ein Wunder, dass ich die sechs Jahre als Obdachloser überlebt habe. Einige Male wurde ich in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Doch immer wieder hat der Herr mir rettende Engel gesandt, die mir Unterkunft und zu Essen gegeben und mich so aus meinem Elend herausgeholt haben.“