1997, in den Wirren des algerischen Bürgerkrieges (mit mehr als 100 000 Toten), flüchtete Mohammad Berdjem nach Europa und kam so nach Österreich. Von 1997–2000 wohnten Mohammed und acht weitere algerische Flüchtlinge in Emmaus-Wohnheimen und arbeiteten zum Teil in den Emmaus-Betrieben in Viehofen und auch auf der CityFarm. Während seines Aufenthalts lernte Mohammed die ideellen Werte der Emmausgemeinschaft kennen und schätzen. Später fand Mohammed, ein gelernter Techniker, in einem St. Pöltner Produktionsbetrieb Arbeit, gründete eine Familie und ist heute Vater von vier Kindern.

2017 gründete Mohammad mit muslimischen Glaubensgeschwistern aus Algerien, Tunesien, Ägypten, dem Irak und Syrien den deutsch-arabischsprachigen Verein As-Salam (Friedensmoschee) in der Mariazellerstraße 31. Teil einer Moschee ist auch eine Gebetswand (Mihrab) und eine Kanzel (Minbar). Beides war noch nicht vorhanden und musste daher erst hergestellt werden. Weil er vor vielen Jahren gute Erfahrungen mit Emmaus gemacht hatte, kam Mohammed im Oktober 2017 die Emmaus-Tischlerei wieder in den Sinn. Dort sollte die Gebetswand gefertigt werden! Gleich darauf wurde in der Holzwerkstatt Tischlermeister Johann Mayerhofer aktiv. Im Ringen um die Gestaltung folgte ein tiefer interreligiöser Gedankenaustausch. Die Einweihung der Moschee am 23.12.2017 wurde zu einem Fest, das von Freude, Gastfreundschaft und großer Wertschätzung geprägt war.

Wertschätzendes Miteinander von Nationen, Kulturen und Religionen

Ähnlich wie die Emmausgemeinschaft lehnen auch die Verantwortlichen der Friedensmoschee St. Pölten jeglichen Extremismus ab. Viele Flüchtlinge aus Algerien, Syrien und dem Irak sind selbst Opfer des islamistischen Terrors gewesen. Menschen, die Gewalt verherrlichende oder Hass erfüllte Propaganda im Namen des Islam verbreiten, sind in der Moschee nicht willkommen – daher auch der Name Friedensmoschee.

Am 2.11.2019 lud die Moschee As-Salam St. Pölten zu einem Tag der offenen Moschee ein. Im Anschluss an das Nachmittags-Gebet, zu dem auch die Besucherinnen und Besucher eingeladen waren, wurde über das Leben der Religionsgemeinschaft informiert. Die Verantwortlichen betonten, dass nur durch persönliche Begegnungen und ein wertschätzendes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen Ängste und Feindbilder in der Bevölkerung abgebaut und Vorurteile überwunden werden können.

Mohammad Berdjem ist heute zusammen mit Benissa Kerouache und Hojri Chokri im Vorstand des Vereins tätig.

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