Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer von Emmaus, liebe Freunde!

Ostern 2020 – ganz anders als geplant und gedacht. Landauf, landab sind alle Festivals abgesagt. Keine der berühmten Osterpassionen eines Bach, Händel oder Telemann erklingt. Alle Ostermärkte – abgesagt. Kein gemütlicher Bummel in der Frühlingssonne durch die Marktstände im Kreis von Freunden oder Familie. Österliches Kunsthandwerk? Fehlanzeige! Floristik? Fehlanzeige! Kreatives Osterbasteln für Kinder? Fehlanzeige! Keine festliche Osterliturgie in den christlichen Kirchen.
Dass angesichts der Ausgangsbeschränkungen Ostern heuer nicht wie gewohnt gefeiert werden kann, ist schmerzlich. Trotzdem ist Ostern.

Karl Langer,
Geschäftsführer der Emmausgemeinschaft St. Pölten

Zu unserer derzeitigen Situation passt ein Text, der vor 77 Jahren geschrieben wurde und den ich bei der Lektüre der Briefe des deutschen Pastors und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer gefunden habe. Heuer jährt sich am 9. April zum 75. Mal seine Hinrichtung im KZ Flossenbürg. Entnommen ist die Passage einem Brief, den Bonhoeffer zu Ostern 1943, bereits in Gefangenschaft, an seine Eltern schickte. Trotz seiner hoffnungslosen Situation konnte er schreiben:
„Heute ist endlich der 10. Tag wieder da, an dem ich Euch immer schreiben darf, und wie gern würde ich Euch wissen lassen, dass ich auch hier ein frohes Ostern feiere. Es ist das Befreiende von Karfreitag und Ostern, dass die Gedanken weit über das persönliche Geschick hinausgerissen werden zum letzten Sinn alles Lebens, Leidens und Geschehens überhaupt und dass man eine große Hoffnung fasst.“

Die Botschaft unserer Grundcharta – das sogenannte Emmaus-Evangelium – ist nicht abhängig von Passionsmusik, Ostermärkten oder Liturgien. Wir waren und sind auch in dieser Zeit gemeinsam unterwegs. Den Lebensweg unserer Gäste mit allen Rückschritten und Rückfällen – wir begleiten ihn. Die Erzählungen des Scheiterns und der enttäuschten Hoffnungen – wir setzen uns weiter damit auseinander. Wir schenken Zuwendung und interessieren uns für das Leid des/der anderen. Wir hören zu. Die Frauen und Männer in unseren Einrichtungen ermutigen wir weiterhin, ihr Unglück mit anderen Augen zu sehen. Wir unterstützen sie dabei, neue Möglichkeiten zu entdecken. Wir achten darauf, dass – selbst in veränderter Form – Tischgemeinschaft auch jetzt möglich ist. Wir schaffen, wenn nötig, neue soziale Empfangsräume.
All das ist Auferstehung mitten im Leben!

Das Emmaus-Evangelium erinnert uns daran, dass es bei Gott keinen hoffnungslosen Fall gibt.
Es erinnert uns daran, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Dass das Leben stärker ist als der Tod.

Das Emmaus-Evangelium erinnert uns daran, dass es bei Gott keinen hoffnungslosen Fall gibt. Es erinnert uns daran, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Dass das Leben stärker ist als der Tod.

Ein herzliches „DANKE“ dafür, dass Sie die Arbeit von Emmaus immer wieder unterstützen und ermöglichen – nicht nur, aber auch in dieser Krisenzeit! So erfahren alle unsere Gäste mitten im Leben:
„Wir fangen dich auf, wenn andere dich fallen lassen!“

Zum Abschluss noch einmal Dietrich Bonhoeffer:
„Nun muss ich Euch aber erst einmal sehr danken für alles, was Ihr mir gebracht habt. Das könnt Ihr Euch nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn einem plötzlich gesagt wird: »Ihre Mutter, Ihre Schwester, Ihr Bruder waren eben da und haben etwas für Sie abgegeben.« Einfach die Tatsache der Nähe, das handgreifliche Zeichen dafür, dass Ihr immer an mich und für mich denkt – was ich ja eigentlich sowieso weiß –, das ist etwas so Beglückendes, dass es durch den ganzen Tag hindurchträgt.“

In diesem fürsorgenden und achtsamen Sinn unseren Lieben und Nächsten gegenüber, auch wenn sie gerade nicht an unserer Seite sein können – ein frohes und segensreiches Osterfest!

Karl Langer, im Namen der Emmausgemeinschaft

PS: Bedingt durch die aktuelle Situation, die für uns viele zusätzliche Herausforderungen in der Betreuung unserer Gäste mit sich bringt, verzichten wir diesmal auf unsere traditionellen Osterwünsche per Postkarte. Wir bitten um Verständnis.

Foto: Glenda Powers/Fotolia; Portrait: Hans Kogler