Werner Stöß – Männer-Notschlafstelle „Auffangnetz“ und das Team der Notschlafstelle sowie unseres Tageszentrums am Kalvarienberg:

„In unser Tageszentrum kommen jene Männer, die im Auffangnetz übernachtet haben bzw. sonst keine Bleibe haben. Sie müssen ja zu uns kommen, wenn sie etwas essen möchten. „Externe“ – also jene, die zum Beispiel gerne zum Karten-Tippeln vorbeischauen oder einfach Gesellschaft haben möchten – bitten wir, nicht zu kommen. Das trifft die armen Leute sehr, weil das für sie oft der einzige Kontakt ist. Dafür unternehmen wir jetzt innerhalb des Hauses mehr, aber nicht Notwendiges müssen wir streichen, z.B. Ausflüge oder Außenaktivitäten.
Die letzte Nacht waren alle Plätze in der Notschlafstelle vergeben. Natürlich hat jeder unserer Männer ein bisschen Kontakt nach außen, aber generell eher weniger als der „Normalbürger“. Wenn sie auch den nicht mehr haben, gibt es Probleme. Daher ist unser Tageszentrum am Kalvarienberg jetzt auch schon ab 7 Uhr offen, damit Obdachlose nahtlos von der Notschlafstelle dorthin wechseln können und nicht in der Stadt herumlaufen müssen, wo sie in Gefahr stehen, sich anzustecken. Meiner Erfahrung nach haben Obdachlose oft so viele eigene Probleme, dass eine Ansteckung nicht als Bedrohung „Nummer Eins“ wahrgenommen wird, sondern erst bei persönlicher Erkrankung – und das, obwohl aufgrund ihres allgemein-medizinischen Zustands viele von ihnen der Risikogruppe zuzuordnen sind.

Bitte unterstützen Sie die Arbeit mit unseren Gästen gerade jetzt, in dieser herausfordernden Zeit, weiterhin. Es ist dringend notwendig!

Unser Spendenkonto: IBAN: AT84 2025 6000 0003 8570 | BIC: SPSPAT21

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Natürlich müssen wir Mitarbeiter auch befürchten, krank zu werden, aber egal ob Mitarbeiter oder Gäste, es gibt in Niederösterreich keine anderen Einrichtungen dieser Größe, wohin unsere Gäste zum Schlafen, Essen oder Waschen ausweichen könnten. Im Tageszentrum gibt es jetzt eine Doppelbesetzung, da wir aufgrund der besonderen Situation und dem engeren Miteinander mehr Redebedarf erleben und auch mit vermehrten Konflikten rechnen müssen. Wir sorgen also vor.
In der Notschlafstelle und im Tageszentrum sind wir auch ohne Corona immer in einer Art „Krisenbetrieb“, weil die Leute ja durchwegs aus Krisensituationen zu uns kommen.
In der Notschlafstelle selbst ändert sich in der Nacht für unsere Gäste nichts. Aber natürlich gibt es jetzt mehr Hygienemaßnahmen.
Mein Appell: Auch wenn wir alle mit der Situation kämpfen und damit, wie wir jetzt den Alltag meistern – vergessen wir nicht auf jene Menschen, denen es noch schlechter geht als uns, denn die gibt es auch!“

Emmaus – wir fangen auf

Beitrag zum Thema von NÖ heute: tvthek.orf.at

(online bis 2.4.2020)

Das Team des Emmaus-Tageszentrums Kalvarienberg und der Männer-Notschlafstelle Auffangnetz

Das Foto wurde vor dem Inkrafttreten der Corona-Maßnahmen aufgenommen. Vlnr: Lorenz Hochschorner, Carina Maria Fritz, Angelika Köck, Werner Stöß, Nicole Luger, Walter Steindl, Julia Stöber, Robert Koch, Franz Zöchling, Martin Dürauer (nicht auf dem Bild: Andreas Eigner und Ernst Punz)

Foto: Emmaus