„Ich lebe mit meiner Krankheit, mit viel Hoffnung und Geduld.“

„Ich lebe mit meiner Krankheit, mit viel Hoffnung und Geduld.“

Mit Mut und Halt durch den Alltag

In der Ausgabe 1/26 unseres Rundbriefs haben wir mit Maria* gesprochen. Maria ist 53 Jahre alt und lebt im emmaus Wohnhaus Frauen.

Aufgewachsen in Mödling, gut behütet gemeinsam mit ihren Brüdern, war sie eine sportliche Jugendliche und spielte mit Begeisterung Landhockey. Nach der Matura studierte sie Landschaftsplanung und schloss ihr Studium als Diplomingenieurin ab. Beruflich war sie in der Verkehrsplanung tätig und engagierte sich mit großer Motivation in ihren Projekten.

Im Jahr 2015 erlebte Maria eine schwere psychische Krise. Die Diagnose Schizophrenie veränderte ihr Leben grundlegend. „Manchmal geht es gut, dann wieder schlechter“, beschreibt sie ihre Situation offen. Nach einem Aufenthalt in einem Übergangswohnhaus lebt sie seit November 2023 im Frauenwohnhaus. „Ich lebe mit der Krankheit“, sagt sie ruhig – ein Satz, der ihre akzeptierende und realistische Haltung widerspiegelt.

Struktur spielt in ihrem Alltag eine zentrale Rolle. Am Vormittag unterstützt sie im Küchendienst, übernimmt Reinigungsarbeiten und kleinere Aufgaben im Haus. In den Wintermonaten hilft sie auch beim Winterdienst mit. Besonders gerne bereitet sie das Frühstück vor, weil sie es schätzt, wenn der Tag gemeinsam beginnt. Sie lebt in einem Einzelzimmer, ist gleichzeitig Teil einer Wohngemeinschaft mit zwölf Frauen und erlebt das Zusammenleben als von gegenseitigem Verständnis und einer angenehmen, leichten Atmosphäre geprägt.

Den Nachmittag gestaltet Maria bewusst und aktiv. Sie liest viel, zuletzt „Das Foucaultsche Pendel“, geht spazieren oder in die Stadt, besucht Cafés und singt im Chor. Auch gemeinsame Ausflüge und Flohmarktbesuche bereiten ihr Freude und sorgen für Abwechslung.

Ein besonders wichtiger Halt in ihrem Leben ist ihre Familie. Die Beziehung zu ihren Eltern beschreibt sie als ihr Fundament. Durch die Stabilität im Frauenwohnhaus hat sich ihre Lebenssituation deutlich verbessert. Die 24-Stunden-Betreuung empfindet sie als große Unterstützung, da jederzeit jemand ansprechbar ist.

Von der Gesellschaft wünscht sich Maria mehr Aufklärung über psychische Erkrankungen und einen offeneren Umgang ohne Vorurteile. Sie betont, wie wichtig Medikamente, Struktur und Gemeinschaft für ihren Alltag sind, und sieht positive Entwicklungen in Richtung Inklusion, etwa durch zunehmend inklusive Arbeitsmöglichkeiten.

Das Frauenwohnhaus erlebt sie als einen Ort der Entwicklung. Für sie bedeutet das: kein Stillstand, sondern Bewegung. Sie schätzt die positive Atmosphäre, die vielfältigen Aktivitäten und die Begegnungen mit anderen Menschen. Feste, gemeinsame Erlebnisse und neue Kontakte geben ihrem Alltag Sinn und Perspektive.

Maria geht ihren Weg mit Mut, Reflexion und Hoffnung.

*Name geändert

emmaus Rundbrief

Die Gastgeschichte ist ein Teil unseres Rundbriefes. Der emmaus Rundbrief erscheint dreimal jährlich. Bleiben Sie über aktuelle Entwicklungen informiert und bestellen Sie ein kostenloses Print-Abo hier:
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