28 Jahre lang hat Peter Hirsch die Emmausgemeinschaft St. Pölten als Geschäftsführer für Wirtschaft und Finanzen mitgeprägt. Zum Abschied blickt er zurück auf die Entwicklung von Emmaus, persönliche Begegnungen und Herausforderungen und verrät, worauf er sich nach 28 Jahren besonders freut.
„Ich wollte meine wirtschaftliche Ausbildung für Menschen einsetzen, denen es nicht so gut geht.“
Was hat Peter Hirsch damals zu Emmaus geführt? Vor allem der Wunsch, seine wirtschaftliche Ausbildung für Menschen einzusetzen, denen es nicht so gut geht. Die damals noch kleine Emmausgemeinschaft habe ihn fasziniert. „Charly und sein Team haben mit der damals noch kleinen Emmausgemeinschaft etwas Faszinierendes begonnen, an dem ich gerne mitarbeiten wollte“, erinnert er sich.
Auch an seine erste Woche bei Emmaus erinnert er sich noch gut. Einer seiner ersten Termine führte ihn zum damaligen stellvertretenden AMS-Chef von Niederösterreich, Mag. Karl Fakler. Schon damals ging es darum, gemeinsam Projekte zu ermöglichen und soziale Arbeit weiterzuentwickeln.
28 Jahre voller Entwicklung
Als Peter Hirsch zu Emmaus kam, war die Organisation noch vergleichsweise klein. Heute ist daraus ein großer Verein mit 170 Mitarbeiter:innen, neun Standorten und zahlreichen Einrichtungen geworden.
Zu den Meilensteinen, die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind, zählen der Start und Ausbau der CityFarm, die Jugend-Notschlafstelle und das Frauenwohnhaus sowie die Errichtung und Besiedlung der neuen Vereinszentrale. Auch die Gründung der beiden Tochterunternehmen Soogut und Antlas waren für ihn prägende Entwicklungen.
Gleichzeitig hat sich auch die Welt rund um Emmaus verändert: Die Einführung des Euro, die rasante Entwicklung von Internet und Mobiltelefonie, die Einführung der Umsatzsteuer und schließlich die Coronakrise waren Herausforderungen, die es gemeinsam zu bewältigen galt.
„Zu meiner Anfangszeit war Emmaus ein relativ kleines Projekt und man hat alle Mitarbeiter:innen, Zivildiener und auch viele Gäste persönlich gekannt“, erzählt Peter Hirsch.
Mit dem Wachstum habe sich auch der Charakter der Arbeit verändert. Aus dem kleinen Projekt wurde eine große Organisation, in der viele Bereiche und Einrichtungen koordiniert werden müssen.
„Wir haben eine sehr gut abgesicherte finanzielle Struktur“
Besonders stolz ist Peter Hirsch darauf, dass die Arbeit der einzelnen Emmaus-Bereiche kontinuierlich auf hohem Niveau geleistet wird und die Fördergeber mit den Leistungen zufrieden sind. Gleichzeitig sei es gelungen, eine solide finanzielle Basis zu schaffen, die auch für zukünftige Projekte eine gute Ausgangslage bietet.
Dabei war seine Arbeit nicht immer einfach. Als Geschäftsführer müsse man Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen. Sein Anspruch war es deshalb, die Mitarbeiter auch bei schwierigen Entscheidungen möglichst mitzunehmen.
Eine weitere Herausforderung: Die Ressourcen sind begrenzt, gleichzeitig gibt es viele wichtige Projekte und Anliegen. „Eine faire und sinnvolle Verteilung unserer Ressourcen wird immer spannend bleiben“, sagt Peter Hirsch.
Menschen auf Augenhöhe begegnen
Was macht Emmaus für ihn besonders? Für ihn steht ganz klar der Mensch im Mittelpunkt.
„Hier steht wirklich der Mensch im Vordergrund und es geht nicht darum, wer die Schuld trägt am eigenen Schicksal.“
Entscheidend sei, die aktuellen Bedürfnisse wahrzunehmen, gemeinsam Lösungsmöglichkeiten und Perspektiven zu entwickeln und dabei auf Augenhöhe zu kommunizieren. Gleichzeitig müsse der freie Wille des Menschen respektiert werden.
Auch die Vielfalt innerhalb des Emmaus-Teams schätzt Hirsch besonders: Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen bringen sich mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten ein und machen die Organisation dadurch wertvoller.
Was bleibt?
Nach 28 Jahren verbindet Peter mit Emmaus unzählige Begegnungen und Erlebnisse. Einen einzelnen Moment, der alles überragt, könne er nicht nennen. Vielmehr sei es die Summe aus vielen Erfahrungen, Sorgen und Freuden, die diese Zeit geprägt haben.
Kraft habe ihm dabei vor allem das Team gegeben: das Wissen, nicht alleine zu sein, Themen gemeinsam besprechen und auf Augenhöhe Lösungen suchen und Entscheidungen treffen zu können.
Ein Blick nach vorne
Seine Aufgaben hat Peter inzwischen an seinen Nachfolger Andreas Schuller übergeben. Nun freut er sich darauf, den nächsten Lebensabschnitt zu beginnen
Was er vermissen wird?
„Die vielen Begegnungen, die lächelnden Gesichter am Gang oder beim Mittagessen, das Gefühl des Miteinanders, die Gemeinschaft mit anderen, die die gleichen Ziele verfolgen.“
Und worauf freut er sich? Auf Ruhe, weniger belastende Situationen, spätere Morgen, keine Termine, die eingehalten werden müssen – und natürlich aufs Radfahren und darauf, endlich Zeit für all das zu haben, wofür im Arbeitsalltag oft wenig Zeit blieb.
Sein Wunsch für Emmaus
Für die Zukunft wünscht sich Peter Hirsch, dass Emmaus seinen Namen und seine Bedeutung weiterhin mit Leben erfüllt: als „aufrichtende Weggemeinschaft, die durch Begleitung neue Perspektiven und Hoffnung eröffnet“, nicht nur für die Klient:innen, sondern auch für jene, die sie begleiten.
Seine Botschaft an die Kolleg:innen ist dabei geprägt von einem Gedanken, der ihn während seiner Arbeit begleitet hat: Wohlwollen.
„Professionalität und Sachlichkeit leiden nicht, wenn wir einander wohlwollend und freundschaftlich begegnen.“
Und wenn er Emmaus in einem Satz beschreiben müsste?
„Emmaus ist eine Gemeinschaft, die versucht, miteinander mehr füreinander zu ermöglichen als es eine alleine schaffen kann.“
